
Das Signal „Hier!“ (oder der Rückruf) ist das mit Abstand wichtigste Kommando in der Hundeerziehung. Es kann im Ernstfall Leben retten – etwa wenn der Hund auf eine Straße zuläuft oder ein Wildtier sichtet. Ein verlässlicher Rückruf gibt deinem Hund enorme Freiheiten, da er nur so gefahrlos ohne Leine laufen kann. Der Schlüssel zu einem perfekten Rückruf liegt in der absoluten Belohnung: Zu dir zu kommen muss für den Hund immer das Beste auf der ganzen Welt sein.
Die Grundlagen: Schritt-für-Schritt-Anleitung
Der Rückruf sollte von Anfang an positiv und ohne Frust aufgebaut werden. Er bedeutet für den Hund nicht das Ende des Spaßes, sondern den Start von etwas Großartigem.
1. Das Signal aufladen (Konditionierung)
Beginne in einer reizarmen Umgebung (z. B. in der Wohnung). Nimm besonders hochwertige Belohnungen (z. B. Leberwurst aus der Tube, Fleischwurst oder Käse). Rufe fröhlich und deutlich „Hier!“ und gib dem Hund sofort die Super-Belohnung, wenn er zu dir schaut oder kommt. Wiederhole das mehrmals am Tag aus kurzer Distanz.
2. Die Bewegung nutzen
Hunde lieben Dynamik. Rufe das Signal „Hier!“, drehe dich um und laufe ein paar Schritte von deinem Hund weg. Die Rückwärts- oder Weglaufbewegung wirkt wie ein Magnet auf den Hund und löst seinen natürlichen Verfolgungstrieb aus.
3. Den Moment des Ankommens sichern
Sobald der Hund bei dir ankommt, greife ihm sanft ins Halsband oder an das Geschirr, bevor du ihm die Belohnung gibst.
Die Logik dahinter: Viele Hunde lernen sonst, das Leckerli im Vorbeirennen abzugreifen und sofort wieder wegzulaufen. Zudem gewöhnt er sich daran, dass der Griff ins Halsband etwas Positives ist.
4. Das Verzeichnis der Ablenkungen (Schrittweise steigern)
Funktioniert der Rückruf im Haus zu 100 %, verlegst du das Training in den eingezäunten Garten, danach auf eine ruhige Wiese an der Schleppleine (5 bis 10 Meter) und schließlich in die gewohnte Spazierumgebung. Rufe den Hund erst ohne Leine, wenn er an der Schleppleine in 9 von 10 Fällen sofort reagiert.
Wertvolle Tipps & Tricks für den Trainingserfolg
- Niemals schimpfen, wenn der Hund kommt: Auch wenn der Hund erst nach 5 Minuten oder nach dem Jagen zurückkehrt – in dem Moment, in dem er bei dir ankommt, wird niemals geschimpft! Wird er bestraft, verknüpft er das Ankommen mit etwas Negativem und kommt beim nächsten Mal noch schlechter.
- Das Signal nicht abnutzen: Rufe „Hier!“ nur dann, wenn du dir sicher bist, dass der Hund auch reagiert (oder du ihn per Schleppleine korrigieren kannst). Rufst du es fünfmal hintereinander, während der Hund intensiv schnüffelt, lernt er, das Wort zu ignorieren.
- Nicht nur zum Anleinen rufen: Rufe deinen Hund während des Spaziergangs mehrmals zu dir, belohne ihn überschwänglich und schicke ihn sofort wieder mit einem Freigabesignal („Lauf!“) weiter. Wenn der Rückruf immer das Ende des Freilaufs bedeutet, wird der Hund schnell meidendes Verhalten zeigen.
- Die Körpersprache beachten: Mache dich beim Rufen klein (in die Hocke gehen) und strahle Freude aus. Frontales Zurechtweisen, Übergewicht nach vorne oder drohende Gesten wirken auf den Hund abschreckend.
- Der „Super-Rückruf“: Nutze für extrem schwierige Situationen eine Hundepfeife oder ein spezielles Wort (z. B. „Toptop!“), das ausschließlich für die allerbeste Belohnung (z. B. eine komplette Futtertube) reserviert ist und extrem selten gebraucht wird.
