Hund Aus beibringen

Das Kommando „Aus!“ (oder „Gieb!“) gehört zu den essenziellsten Sicherheitskommandos in der Hundeerziehung. Es bedeutet, dass der Hund einen Gegenstand, den er gerade im Maul hat – egal ob Spielzeug, einen Stock, ein Fundstück oder im schlimmsten Fall einen gefährlichen Giftköder –, unverzüglich und freiwillig loslässt. Da Hunde von Natur aus dazu neigen, Beute festzuhalten oder zu verteidigen, muss dieses Signal über ein positives Tauschgeschäft und Vertrauen aufgebaut werden.

Die Grundlagen: Schritt-für-Schritt-Anleitung

Die veraltetste und schlechteste Methode ist das gewaltsame Aufbrechen des Mauls, da dies beim Hund Verteidigungsverhalten oder schnelles Hinunterschlingen auslösen kann. Viel effektiver ist das Prinzip des Tauschgeschäfts.

1. Das Tauschgeschäft aufbauen

Beginne die Übung in einer ruhigen Umgebung mit einem Spielzeug, das dem Hund zwar gefällt, an dem er aber nicht extrem wie besessen hängt (z. B. ein Tau oder ein Apportierbock).

  • Gib dem Hund das Spielzeug.
  • Nimm ein besonders hochwertiges Leckerli (z. B. ein Stück Wurst oder Käse) in die Hand und halte es ihm direkt vor die Nase.

2. Das Auslösen und das Hörzeichen

Sobald der Hund den leckeren Geruch wahrnimmt, wird er das Spielzeug im Maul lockern oder ganz fallen lassen, um das Leckerli zu fressen.

  • Genau in dem Moment, in dem er das Spielzeug loslässt, sagst du deutlich das Kommando „Aus!“.
  • Gib ihm sofort die Futterbelohnung.

3. Der wichtigste Schritt: Das Spielzeug zurückgeben

Nimm das Spielzeug kurz auf, belohne den Hund und gib ihm das Spielzeug sofort wieder zurück!

Die Logik dahinter: Der Hund lernt, dass das Wort „Aus!“ nicht bedeutet, dass ihm seine Beute gemein weggenommen wird. Stattdessen lernt er: „Wenn ich loslasse, bekomme ich etwas Leckeres UND darf danach weiterüben/weiterspielen!“ Dadurch verliert der Hund die Angst vor dem Beuteverlust.

4. Das Tauschen im Zerrspiel üben

Wenn das Prinzip verstanden ist, integrierst du das Kommando in ein aktives Spiel (Zerrspiel):

  • Spiele schwungvoll mit dem Hund.
  • Führe das Spielzeug nah an deinen Körper und friere deine eigene Bewegung komplett ein (werde zur „Statue“).
  • Sag einmalig „Aus!“ und halte das Leckerli vor die Nase.
  • Lässt der Hund los: Markerwort/Lob, Leckerli geben und als Super-Belohnung das Zerrspiel sofort energisch weiterspielen!

Wertvolle Tipps & Tricks für den Trainingserfolg

  • Niemals hinterherjagen: Läuft der Hund mit der Beute weg, renne ihm auf keinen Fall nach. Für ihn wird daraus ein tolles Fangspiel, bei dem er lernt, Beute vor dir in Sicherheit zu bringen. Drehe dich stattdessen weg oder gehe in die Hocke.
  • Das Höherwertigkeits-Prinzip: Der Tauschgegenstand (das Leckerli) muss für den Hund attraktiver sein als das Objekt in seinem Maul. Hat er einen saftigen Knochen, wird ein trockenes Trockenfutter-Pellet nicht als Tauschobjekt funktionieren.
  • Spannung herausnehmen: Halte den Gegenstand beim „Aus!“ ruhig fest, aber ziehe nicht daran. Je mehr du ziehst, desto stärker wird der natürliche Reflex des Hundes, dagegenzuhalten (Oppositionsreflex).
  • Das „Tausch-Signal“ generalisieren: Übe das Abgeben mit ganz unterschiedlichen Gegenständen (Bällen, Stöckchen, Haushaltsgegenständen), damit der Hund lernt, dass „Aus!“ universell für alles gilt, was er im Maul hat.
  • Trennlinie zum Notfall-Aus: Für potenziell lebensgefährliche Situationen unterwegs (z. B. Giftköder) empfiehlt sich ergänzend ein positiv aufgebautes Anti-Giftköder-Training, bei dem der Hund lernt, Fressbares am Boden gar nicht erst aufzunehmen, sondern anzuzeigen.